Aurich, 18. März 2019

Zwei Technologieführer bündeln ihre Kräfte

Seit ihrem Zusammenschluss stellen sich ENERCON und Lagerwey gemeinsam den Herausforderungen der Energiewende. ENERCON Vertriebsleiter Stefan Lütkemeyer, Lagerwey Vertriebsdirektor Ronald Boerkamp und Lagerwey Technikdirektor Aart van de Pol erläutern im Interview die Zusammenführung der Unternehmen, die verstärkte Nutzung von Synergien und die gebündelte Schlagkraft im globalen Wettbewerb. Das Interview ist im ENERCON Windblatt (01-2019) erschienen. 

wb: ENERCON und Lagerwey haben sich vor über einem Jahr zusammengeschlossen. Wie läuft die Zusammenarbeit? Was ist seitdem passiert?

Stefan Lütkemeyer: Die Zusammenführung der einzelnen Bereiche beider Unternehmen ist seit dem Zusammenschluss Ende 2017 sehr zügig vorangeschritten. Das läuft alles sehr gut – sei es in der Forschung und Entwicklung, im Vertrieb oder im Einkauf: Wir entwickeln in übergreifenden Teams neue WEA-Typen, treten gemeinsam auf den internationalen Leitmessen auf, verstärken zusammen unsere weltweiten Vertriebsaktivitäten und koordinieren auf internationaler Ebene einheitliche Lieferketten. Vor dem Hintergrund der Komplexität eines Unternehmenszusammenschlusses und der harten Marktbedingungen, die uns für eine Neuorganisation kaum Zeit lassen, sind damit natürlich Herausforderungen verbunden. Aber unsere Mannschaft meistert die Aufgabe gut und mit großem Engagement.

Ronald Boerkamp: Auch mein Eindruck ist, dass wir einen tollen Teamgeist haben, der eine sehr konstruktive Zusammenarbeit bewirkt. Zusätzlich zur Entwicklungsarbeit sind wir dabei, in allen Unternehmensbereichen einheitliche Standards und Prozesse zu etablieren, was ebenfalls mit einer Menge Arbeit verbunden ist. Aber alle Mitarbeiter sind hochmotiviert und das Schöne ist, dass unsere Zusammenarbeit bereits zu guten Ergebnissen führt.

wb: Was konkret wurde schon realisiert?

Aart van de Pol: An erster Stelle sind hier die gemeinsam auf Basis der Lagerwey LP4-Plattform entwickelten WEA-Typen zu nennen, die wir demnächst als E-147 EP5 und als E-160 EP5 auf den Markt bringen werden. Die schnelle Entwicklung inklusive der Höherpositionierung der Anlagen bei der Nennleistung gegenüber der LP4 war nur durch eine Bündelung unserer F&E-Ressourcen möglich. Zu den gemeinsamen Projekten im Bereich F&E gehören auch die Adaption des MST-Turmkonzepts für die EP3-Plattform sowie die Entwicklung eines leistungsstärkeren Climbing Crane für Anlagentypen größer als die LP2.

Boerkamp: Im Projektgeschäft können wir erste größere Vertragsabschlüsse für die L-136 LP4 und die L-147 LP4 vermelden. Auch über die Lieferung von Anlagen der neuen EP5-Plattform sind wir mit Kunden und Interessenten bereits in intensiven Verhandlungen. Es freut uns natürlich besonders – und es ist auch eine schöne Bestätigung unserer Entwicklungsarbeit –, dass unsere Kunden diesen neuen WEA-Typen Vertrauen schenken.

Lütkemeyer: Eine weitere Zielvorgabe war die Nutzung von Synergien im Bereich Produktion und Einkauf. Hier machen wir ebenfalls Fortschritte: Bei unseren Produktionspartnern in Deutschland ist beispielsweise die Fertigung von LP2-Komponenten für das Russland-Projekt gestartet, das Lagerwey in den Zusammenschluss mit eingebracht hat. Und bei der Erschließung neuer internationaler Märkte sind wir inzwischen so weit, dass der Einkauf in den neuen Ländern von Anfang an produktübergreifend einheitliche Lieferketten koordiniert.

wb: Wie geht es mit der Technologieentwicklung und der Zusammenführung der Unternehmen weiter?

Lütkemeyer: Wir werden Lagerwey bis Ende des Jahres vollständig integrieren. Dies hat in erster Linie Auswirkungen in der Außendarstellung: Die gemeinsam entwickelten Produkte werden wir unter der Marke ENERCON vertreiben. Den Anfang machen wir mit den neuen E-147 EP5 und E-160 EP5, die Ronald schon erwähnt hat. Lagerwey verschwindet als Produktbezeichnung, bleibt aber als Name für eine innovative Entwicklungseinheit innerhalb des ENERCON-Verbunds erhalten.

van de Pol: Technologieseitig werden wir weiter das beste aus unserem riesigen Know-how-Potential herausholen. Beide Seiten bringen die vielversprechendsten Ideen in gemeinsame Entwicklungen ein, um unseren Kunden in hart umkämpften Onshore-Märkten weltweit die wettbewerbsfähigsten Produkte zur Verfügung zu stellen. Ansatzpunkte gibt es viele: Beispielsweise lässt sich ENERCONs Know-how im Rotorblattbereich auch in Kombination mit Lagerwey-Technologie nutzen. Ursprünglich von Lagerwey entwickelte PMG-Technologie im Generatorbereich ist auch in Verbindung mit ENERCON-Anlagen denkbar.

wb: Welche Bedeutung hat der Zusammenschluss für das verstärkte Engagement auf internationalen Märkten?

Lütkemeyer: Der Zusammenschluss bringt uns im globalen Wettbewerb viele Vorteile. Durch die geballte Entwicklungspower sind wir noch besser in der Lage, unseren Kunden die passende, wettbewerbsfähige Anlagentechnologie für ihre Projekte in aller Welt zur Verfügung zu stellen. Wir bieten ihnen ein optimal ergänztes Produktportfolio.

Boerkamp: Außerdem sind wir in einer besseren Wettbewerbsposition. Für Lagerwey wäre es beispielsweise kaum möglich gewesen, internationale Großprojekte komplett alleine zu stemmen. Im Verbund mit ENERCON ist die Situation eine völlig andere. Als Gemeinschaftsunternehmen stehen uns umfangreichere Ressourcen zur Verfügung und wir haben bei internationalen Projektierern und Finanzierern ein viel besseres Standing.

wb: Wie reagieren Kunden und Geschäftspartner auf den Zusammenschluss?

Lütkemeyer: Unsere Kunden reagieren überwiegend positiv und begrüßen den Zusammenschluss. Ein Indiz dafür ist die sehr gute Resonanz auf die gemeinsam entwickelten WEA-Typen. Die neuen Anlagen kommen sehr gut an, die LP4 beziehungsweise die EP5 ist in vielen Projekten im In- und Ausland die vom Kunden favorisierte Anlagentechnologie. Dies zeugt von einem großen Kundenvertrauen.

wb: Und die Mitarbeiter? Vertragen sich die Holländer mit den Ostfriesen?

Boerkamp: Ja, auf jeden Fall. Auch intern funktioniert der Zusammenschluss sehr gut. Wir haben ein tolles gemeinsames Team, das über ein enormes Know-how verfügt und sehr motiviert ist.

Lütkemeyer: Ostfriesen und Holländer können wohl miteinander, das ist kein Problem (grinst) – wir entwickeln ja Windenergieanlagen und spielen keinen Fußball!

Foto oben: Die Gesprächspartner v. l. n. r.: Lagerwey Vertriebsdirektor Ronald Boerkamp, ENERCON Vertriebsleiter Stefan Lütkemeyer, Lagerwey Technikdirektor Aart van de Pol.

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