14. August 2020, Aurich

ENERCON setzt auf Kernkompetenzen in Aurich und Magdeburg

Bildung von Kompetenzzentren für Anlagen- und Generatorbau unter Dach der Gruppe / Zielsetzung Erhalt von Know-how und Standortsicherung in Aurich und Magdeburg

ENERCON beabsichtigt, sein Produktionsnetzwerk in Deutschland neu aufzustellen. Im Zuge der Neuausrichtung auf internationale Märkte sollen an den Standorten Aurich und Magdeburg Kompetenzzentren für den Anlagen- und den Generatorbau entstehen. Die Neuaufstellung wird in enger Zusammenarbeit mit den bisherigen Produktionspartnern von ENERCON erfolgen. Ziel ist es, einige der dafür zuständigen externen Unternehmen im Rahmen des Restrukturierungsprozesses in die ENERCON-Gruppe einzugliedern – auch gesellschaftsrechtlich. „Wir wollen die Produktion in das Kernunternehmen ENERCON integrieren und künftig als eigene Funktion führen“, kündigt ENERCON COO Jost Backhaus an. „Wir streben diesbezüglich Gespräche mit den Gesellschaftern an. Das Vorhaben ist komplex und wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber wir sind zuversichtlich, dass es gelingt. Dahinter steht unsere Zielsetzung, das Know-how für die Fertigung der wichtigsten Kernkomponenten für ENERCON WEA zu erhalten und die Produktionsstandorte in Deutschland zukunftssicher auszurichten.“

Am Standort Aurich/Niedersachsen soll dazu in den kommenden Monaten ein „Kompetenzzentrum Mechatronic“ entstehen, das sämtliche für die Herstellung von Maschinenhäusern, Rotornaben und E-Komponenten erforderliche Fertigungsprozesse und Fachkenntnisse bündelt und das Leitwerk für diese Hauptkomponenten in der neu aufgestellten globalen Supply Chain von ENERCON bildet. Am Standort Magdeburg-Rothensee/Sachsen-Anhalt ist dementsprechend ein „Kompetenzzentrum Generator“ vorgesehen. Als Generator-Leitwerk soll es die für die Herstellung von fremderregten und Permanentmagnet-Generatoren der Marke ENERCON erforderlichen Fachkenntnisse und Fertigungsprozesse konzentrieren.

„Diese Hauptkomponenten stellen gewissermaßen das Herzstück einer ENERCON WEA dar“, erläutert der ENERCON COO. „Aus unternehmensstrategischer Sicht ist es bei unserer Neuausrichtung daher ein zentrales Anliegen, das Produktions-Know-how langfristig zu erhalten und den engen Austausch mit unserer Forschung und Entwicklung zu gewährleisten. Wir wollen auch in Zukunft technologisch führend sein. Dazu ist es nach unserer Überzeugung unerlässlich, bei den wichtigsten Hauptkomponenten den direkten Zugriff auf die Produktionsprozesse zu haben. Wir wollen in den Kompetenzzentren State- of-the-art-Fertigungstechnologie etablieren – inklusive Automatisierung, modernster Verfahren und Standards. Die Kompetenzzentren sollen nach unserer Vorstellung Vorzeigebetriebe in Sachen Hochtechnologie in der Produktion sein. Damit sichern wir unsere Technologiekompetenz und schaffen eine wichtige Voraussetzung für unsere erfolgreiche Neuausrichtung.“

Gleichzeitig ist es das erklärte Ziel von ENERCON, mit diesem Schritt die Produktionsstandorte Aurich und Magdeburg für das internationale Geschäft zu stärken. An beiden Standorten sollen die Produktionsprozesse für die Hauptkomponenten sowie die damit verbundenen Materialbewegungen und Lagerhaltungen optimiert und Synergien genutzt werden. „Beide Standorte werden in der neuen Aufstellung auch im globalen Maßstab wettbewerbsfähig sein“, sagt Jost Backhaus. „Damit leisten wir einen Beitrag zum Erhalt von Technologiekompetenz am Industriestandort Deutschland.“

Hintergrund der beabsichtigten Reorganisation des Produktionsbereichs ist die Neuausrichtung ENERCONs auf internationale Märkte. Seit 2017 befindet sich die Onshore-Windbranche in einem harten Konsolidierungsprozess, von dem auch Partnerunternehmen von ENERCON bereits betroffen waren. Nach dem Zusammenbruch des deutschen Onshore-Marktes hatte ENERCON eine umfangreiche Restrukturierung eingeleitet, bei der sich das Unternehmen auf das aussichtsreiche internationale Geschäft fokussiert. Damit verbunden ist der Plan einer Neuaufstellung der Zulieferketten, die einem notwendigen Kostensenkungsprogramm unterzogen und ebenfalls international ausgerichtet werden sollen. Neben der Fertigung in Zielmärkten aufgrund von „local content“-Anforderungen vergibt ENERCON Produktionsaufträge verstärkt an Zulieferer in „best cost“-Ländern. „Wir müssen uns dem Kostendruck und Wettbewerb stellen und neu ausrichten. Nur so können wir im wettbewerbsintensiven globalen Geschäft bestehen“, erläutert Jost Backhaus.

Auch die Integration der Produktion in der beabsichtigten Weise ist aus diesen Gründen mit einer notwendigen Konsolidierung verbunden. „Es wird in einzelnen Gesellschaften erhebliche Veränderungen geben müssen. Sie sind ihrerseits gefordert, Lösungen für die neue Situation zu finden. Aufgrund der herausfordernden Rahmenbedingungen werden wir uns insbesondere keine Redundanz in Deutschland mehr leisten können“, so Backhaus. „Wir bedauern sehr, dass wir uns im Zuge der Neuausrichtung von Produktionspartnern und Zulieferern trennen müssen, mit denen uns vor dem Hintergrund des globalen Wettbewerbs keine weitere Zusammenarbeit möglich ist. Durch die Einrichtung der Kompetenzzentren werden wir jedoch in der Lage sein, Beschäftigung und Know-how zu halten und die Standorte Aurich und Magdeburg für die Zukunft neu aufzustellen. Hier ist ENERCON groß geworden und hat von Politik und Gesellschaft viel Unterstützung erfahren – das dürfen und wollen wir bei unseren Zukunftsplänen nicht außer Acht lassen“, bekräftigt der COO.

„Auf diese Unterstützung ist die Onshore Windenergie hierzulande auch künftig angewiesen, um wieder Tritt zu fassen. Wir haben deshalb immer deutlich gemacht, dass wir zum Standort Deutschland stehen und bei unserer Neuausrichtung versuchen werden, Wertschöpfung hierzulande in größtmöglichem Umfang zu erhalten“, betont ENERCON CEO Hans-Dieter Kettwig. „Mit unserem Vorhaben der Eingliederung der Kompetenzzentren in die ENERCON-Gruppe unterstreichen wir dieses Commitment und lösen unser Versprechen ein, langfristig am Standort Deutschland festzuhalten. Aktuell sind wir als Unternehmen dreifach gefordert: Wir müssen uns an neue Rahmenbedingungen anpassen, wir müssen auf rapide Marktveränderungen reagieren und wir müssen die Folgen der Corona-Pandemie bewältigen. Dass es uns in dieser dreifachen Krisensituation gelingt, Arbeitsplätze in der Produktion zu halten und Stabilität zu demonstrieren, freut uns ganz besonders.“

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